2021: Die Wiederkehr von Kapzitätsberechnung und Curricularnormwert (wg. Online-Lehre)

Im Jahr 2021 werden wir die Wiederkehr der Diskussion über Kapazitätsberechnung, Curricularnormwerte und Online-Lehre erleben.

Zum Jahresanfang ist es schöne Tradition, Vorhersagen zu treffen, bspw. „Bildung und Wissenschaft: Was wird 2021 wichtig?„, „The In-and-Out List, 2021“ oder „25 Ed Tech Predictions for 2021„. Prognosen beruhen auf Einschätzungen und Ableitungen daraus. Aber Herleitung und Prognose sind ein ungleiches Paar. Prognosen die eintreffen müssen nicht von den zugrundegelegte Faktoren verursacht werden, Prognosen die nicht eintreffen können aus ganz anderen Gründen ausbleiben. Weil es aber so schön ist, wenn man später „hab ich doch gesagt“ sagen kann, möchte ich hier eine Vorhersage machen. Sollte Sie eintreffen, dann kann ich ja auf diesen Post verweisen und rätseln, wie das gekommen ist. Also:

Wir werden im Jahr 2021 in den Hochschulen und Universitäten eine Diskussion über den Zusammenhang von digitaler Lehre, Kapazitäten und Curricularnormwerte (CNW) erleben.

Für diejenigen, die mit dem CNW noch nicht so vertraut sind:

Der CNW eines Studiengangs quantifiziert den Lehraufwand in SWS (Semesterwochenstunden) für einen Studierenden in seiner Regelstudienzeit. Mittels der Formel N = LK/CNW bestehend aus CNW und LK (Lehrkapazität) kann die Studienanfängerkapazität N pro Jahr errechnet werden.

Wikipedia: Curricularnormwert

Je höher also der CNW, desto besser der Betreuungsschlüssel. Daher haben musisch-künstlerische Studiengänge sehr hohe CNWs, Studiengänge in den große Lehrveranstaltungen (Vorlesungen) üblich sind, eher niedrige CNWs. Für Brandenburg kann man das z.B. hier nachlesen.

Die Kapazitätswirkungen von Online-Lehre wurden 2008 von Kleimann als gering bis nicht vorhanden eingeschätzt . Bekannt ist weiterhin, dass für die Umsetzung von anspruchsvollen integrierten Szenarien der personelle Aufwand mindestens ebenso hoch ist wie für ein Präsenz-Pendant (z.B. Ojstersek 2007:31).

In der Diskussion des E-Learnings und der Fach-Community besteht der weitgehende Konsens, das E-Learning kein Sparmodell sein kann. Allerdings war bisher die Online-Lehre aus der Sicht der Bildungs- und Wirtschaftpolitik wohl eher eine Randerscheinung. Die Post-Corona-Situation ist aber, dass wir eine Kombination von anhaltend hohen Studierendenzahlen, weniger Geld in den öffentlichen Kassen plus der Erfahrungen mit der Online-Lehre des letzten Jahres haben. Im Superwahljahr werden sich außerdem Politiker*innen aller Couleur bemüßigt fühlen etwas innovativ-problemlösend klingendes zu dem Thema zu ventilieren.

Ich bin also gespannt, in welchem Kopf sich die a) Suche nach Einsparungspotentialen, b) Druck durch hohe Studierendenzahlen und c) mißverstandenes digitales Lernen als erstes zusammenfinden und zur Wiederkehr der Kapazitätsdiskussion führen wird.